Dies las man in der FAZ.NET am 01. November 2008
Mit Ritalin durch die Prüfung
Drei Liter grüner Tee am Tag, damit hielt sich Heidi in der heißen Phase ihres Medizinstudiums über Wasser. „Ich war ziemlich im Stress vor den Prüfungen“, erzählt die 25 Jahre alte Frau, die ihren Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen will – immerhin geht es um ein Doping, ein heißes Thema, nicht nur im Sport, sondern auch im Hörsaal. Irgendwann genügte Heidi der Tee nicht mehr, gibt sie zu, die Müdigkeit war stärker.
Da griff sie zu Koffeintabletten. Ein Kommilitone schlug ihr sogar vor, sich stattdessen doch eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) attestieren zu lassen und so an den Wachmacher Ritalin zu gelangen. „Ich war schockiert, wie schnell der von Koffeintabletten auf Ritalin kam“, sagt Heidi heute. Der Kommilitone scheint jedenfalls Erfahrung mit der Materie zu haben. Ritalin, ein wegen Suchtgefahr unter das Betäubungsmittelgesetz fallendes Präparat, das unter anderem auf der schwarzen Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada steht, enthält Methylphenidat.
Dies erhöht bei gesunden Menschen die Konzentration. Wer lernt und Ritalin nimmt, bleibt länger wach, nimmt dafür aber Nebenwirkungen wie Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzrasen und Blutdrucksteigerungen in Kauf. Modafinil, ein Mittel mit ähnlicher Wirkungsweise, das zur Behandlung der Schlafkrankheit Narkolepsie entwickelt wurde, soll sogar 48 Stunden Pauken am Stück möglich machen. Die ideale Prüfungsvorbereitung?
Nun - dies sollte wohl nicht so sein, aber der Stress macht erfinderisch. Das Ultraschall-System leistet mindestens das gleiche, macht aber gewiss weder krank noch abhängig.
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